Hornklänge erfüllen den Saal im Hotel Nikisch, Schüttorf, in den die Grafschafter Jägerschaft zum 34.sten Mal zum inzwischen traditionellen Jägerfrühstück geladen hat. Musikalisch untermalt die Jagdhornbläsergruppe Niedergrafschaft die Feier von Beginn an bis zum Ausklang.
Rüdiger Köhler, der Vorsitzende der Grafschafter Kreisjägerschaft, begrüßte die 90 geladenen Gäste aus Politik, Verwaltung, Verbänden und natürlich auch der Jägerschaft. Namentlich und stellvertretend für andere Ehrengäste hieß er Landrat Uwe Fietzek, die 1. Kreisrätin Sandra Cichon, Frau Dr. Elke Bertke, Dezernatsleiterin Sicherheit und Ordnung beim Landkreis und den Gastredner des Tages, den Vorsitzenden des Jagdgebrauchshundeverbandes Niedersachsen, Jan Knoop, herzlich willkommen.
Anfang der 1990er Jahre, vor 34 Jahren, bewegte die Menschen in der Region, ob der Tierpark in Nordhorn bestehen bleiben oder geschlossen werden solle. Die Grafschafter Jäger waren dafür, den Tierpark aufrechtzuerhalten und sogar zu erweitern. So sprach sich auch der damalige Kreisvorsitzende, der heutige Kreisjägermeister, Reinhold Gosejacob, aus und bekräftigte diese Unterstützung durch die Zusage, dass die Jäger sich finanziell am Bau mehrerer Greifvogelvolieren beteiligen. Sieht man sich dieser Tage an, was daraus wurde, beweist sich, dass besonnene Weitsicht über den Tellerrand hinaus langfristig vorteilhaft ist.
In seinem Grußwort stellt Landrat Uwe Fietzek die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Jägerschaft in den Mittelpunkt, führt beispielhaft den Umgang mit Tierkrankheiten wie Vogelgrippe, Hasenmyxomatose oder Blauzungenkrankheit an oder die vielfältigen Bemühungen um den Artenschutz und schließt mit den Worten „Wir brauchen die Jäger!“
Rüdiger Köhler, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, stellt fest, in der Grafschaft gäbe es mittlerweile 1.800 Jäger, davon 1.500 organisiert, die zu gut 80 % digital vernetzt seien. Zunehmend werde die Jagd jünger und weiblicher.
Auftakt des Jahres 2025 war die Demonstration der niedersächsischen Jäger mit fast 20.000 Teilnehmern in Hannover, die Politik und Gesellschaft im Zusammenhang mit der erneuten Veränderung des niedersächsischen Landesjagdgesetzes demonstriert habe, dass Jäger als Gemeinschaft gehört werden, wenn sie geschlossen auftreten. Tierseuchen belasteten Nutztierhaltung und heimische Wildbestände und zeigten auch bei etwa Blauzungenkrankheit und Vogelgrippe die enge Verknüpfung von Tierhaltung und Wildtieren. Die sich ausbreitende Hasenmyxomatose führe in manchen Revieren zu erheblichen Bestandeseinbrüchen und berühre die Jägerschaft besonders, da der Hase sowohl Symbol der heimischen Artenvielfalt sei und zugleich als Charakterart für die vom Menschen geschaffene Offenlandschaft stehe. Weiterhin beschäftigt, so Köhler, der Wolf die Menschen in der Region. Im Umgang mit diesem großen Beutegreifer sei Augenmaß gefordert, Sachverstand und vor allem eine ausgewogene Balance zwischen Schutz und notwendiger Regulierung: „Ideologie passt hier nicht hin“, so Köhler, „Fachverstand ist hier gefragt“.
Als erfreulich sei die wachsende Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung zu werten: Ihr wertvoller Beitrag zum Naturschutz und zum Bewahren einer artenreichen Kulturlandschaft und das nachhaltige Gewinnen von Wildbret würde schätzen gelernt. Das Engagement der Drohnenteams zur Jungwildrettung bei der Grünlandmahd, das Aufhängen von Singvogelnistkästen, Fledermauskästen oder Brutröhren für den Steinkauz, das Anlegen von Blühstreifen und Streuobstwiesen und das Unterstützen von Bodenbrütern durch intensiven Fallenfang seien Aufgaben, die die Jägerschaft passioniert leiste. Abschließend stellte Köhler fest, dass keine Organisation ehrenamtlich mehr Menschen zu Naturschützern ausbilde als die Jägerschaften: „Und die Kandidaten werden auch noch geprüft!“
Jan Knoop, Vorsitzender des Jagdgebrauchshundeverbandes Niedersachsen, befasst sich als Gastredner dieses Jägerfrühstücks mit der Neufassung des Landesjagdgesetzes aus Sicht eines Hundeführers. Nur ein Jahr nach der letzten Novellierung sollte das niedersächsische Landesjagdgesetz unter der amtierenden Koalition evaluiert, sprich überprüft, werden. Herausgekommen ist beim derzeitigen Entwurf eine handfeste Novelle, bei der der Tierschutz oberste Priorität erhielte. Nachdenklich stimme, welche fundierten Erkenntniszugewinne innerhalb nur dieses einen Jahres vorgelegen hätten, die eine Novelle zwingend erforderlich gemacht hätten, fragte sich der Referent, dem dazu keine offizielle Antwort vorliegt. Es läge die Vermutung nahe, dass ideologische Vorstellungen der Treiber gewesen seien. Vor nicht allzu langer Zeit hätten Jagdrecht, Tierschutz- und Naturschutzrecht gleichbedeutend als Trias nebeneinandergestanden, bis – aus grüner Ecke politisch motiviert – das Tierschutz- und Naturschutzrecht in den Vordergrund gedrängt worden seien.
Weil im Laufe der anstehenden „Evaluierung/Novellierung“ entgegen den Zusagen aus dem Koalitionsvertrag nicht alle Beteiligten gleichberechtigt in die Weiterentwicklung des Jagdrechts einbezogen worden seien, sei es zu der eindrucksvollen Demonstration mit fast 20.000 Jägern am 30. Januar 2025 vor dem Landtag in Hannover gekommen.
Die geplanten Änderungen beträfen im Schwerpunkt das jagdliche Gebrauchshundewesen. Jeder 4. niedersächsische Jäger sei Hundebesitzer und verantworte Ausbildung, Haltung und Kosten seines Hundes selbst. Schließlich verlange das Gesetz für die Jagdausübung brauchbare, also jagdlich geprüfte Hunde. Dem stünden in Niedersachsen schätzungsweise 20.000 herrenlose Katzen gegenüber. Würden diese Tiere in Tierheimen betreut, fielen pro Katze 720 – 760 € Kosten an, neben Spenden zumindest teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert!
Das von den Grünen geforderte Verbot der Jagd auf den Fuchs im Naturbau stehe dem niedersächsischen Wiesenvogelschutzprogramm zuwider. Denn ohne gezielte Beutegreiferbejagung wie auf Fuchs oder Marder, fragt sich der Referent, könne der Erhalt vom Aussterben bedrohter in Wiesen brütender Vogelarten nicht gelingen. „Hier ist Fachverstand gefordert, keine Ideologie“, fordert der Hundemann.
Und er ergänzt: Und junge Jagdhunde zu brauchbaren Hunde ausbilden zu wollen, gelänge nur, wenn sie während ihrer Ausbildung in Kontakt zu lebenden Wildtieren wie Füchsen in Schliefenanlagen, Wildschweinen in Schwarzwildgattern oder zeitweise flugunfähig-gemachten Enten kommen könnten, so der Vorsitzende des Jagdgebrauchshundeverbandes Niedersachsen. Schließlich sei dies ein Gebot der Weidgerechtigkeit.
Reinhold Hilbers, CDU-Landtagsabgeordneter im niedersächsischen Landtag, Rüdiger Köhler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft des Landkreises Grafschaft Bentheim, Reinhold Gosejacob, Kreisjägermeister des Landkreises Grafschaft Bentheim, Gerhard Plöns, stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft des Landkreises Grafschaft Bentheim, Jan Knoop, Vorsitzender des Jagdgebrauchshundeverbandes Niedersachsen, Sandra Cichon, 1. Kreisrätin, Dr. Elke Bertke, Dezernatsleiterin Sicherheit und Ordnung beim Landkreis und Landrat Uwe Fietzek (v. li.)