Sie sind neu im bundesrepublikanischen Verkehrsschilderwald. Und sie fallen auf. Anders als die gewohnten dreieckigen Wildwechselschilder, auf die kaum mehr ein Autofahrer achtet, zeigen sich „Rehsis“ in der Natur entlehnten Silhouette von Rehen und warnen, auffällig in reflektierenden grellen Signalfarben gehalten, an Stellen, an denen sich Wildunfälle häufen.
Als die Schüttorfer Jäger vom Hegering II der Grafschafter Jägerschaft die ersten „Rehsis“ im benachbarten Landkreis Steinfurt-Tecklenburg sehen, ist klar, „die brauchen wir auch“, erinnert sich Ludger Sundag, Hegeringleiter aus Samern und ergänzt: „gerade jetzt bei der Zeitumstellung häufen sich Wildunfälle, da die Rehe zum Frühjahr hin deutlich aktiver werden und das ganz besonders in der Morgendämmerung, in die dann auch der Berufsverkehr fällt“.
Die Recherche beginnt. Wer baut „Rehsis“, wo kann man sie bekommen, was sollen sie kosten? Sundag bespricht sich mit seinem Vorstand und der beschließt, für jedes Revier des Hegerings den Kauf eines „Rehsis“ großzügig zu fördern.
Circa 25.000 Rehe kommen alleine in Niedersachsen jährlich im Straßenverkehr um. Deutschlandweit sind es etwa 210.000 im Jahr und damit mehr als die Hälfte aller im Straßenverkehr getöteten Wildtiere. Weil gerade in Steinfurt-Tecklenburg Wildunfallschwerpunkte liegen, gründeten die dortigen Jäger den Arbeitskreis Wildunfälle, experimentierten und entwickelten mit der Zeit die heutigen „Rehsis“. Erst waren sie aus Holz und mit Signalfarben in orange und gelb bemalt. Die Figuren hielten aber nicht lange und die Farben verblassten schnell. Nach verschiedenen Versuchen, immer wieder mit Rückschlägen, bot sich bei BWH-Bücker Kunststoffe aus Emsdetten, einem Betrieb, der sich auf Anhängerbau spezialisiert hat, die Möglichkeit, „Rehsis“ aus bei der Produktion anfallenden Rest-GFK-Platten zu schneiden. Perfekt! Jetzt war nur noch die Frage der dauerhaften Farbgebung zu lösen. Wieder kam ein Zufall zu Hilfe: Es zeigte sich, dass sich die grellfarbene Folie, die zur Beschriftung von Krankenwagen verwendet wird, ideal auch für das signalfarbene Kunstfell der „Rehsis“ eignet und obendrei noch reflektiert und UV-Licht beständig ist.
Heute warnen künstliche Rehe an Unfallschwerpunkten die Autofahrer zu erhöhter Aufmerksamkeit. Beim Aufstellen ist zu beachten, dass die „Rehsis“ in einem Mindestabstand von 20 Metern zur Straße aufgestellt werden. Die „Rehsi“-Idee sprach sich übrigens rum: „Rehsis“ sind inzwischen im Bundesgebiet von Bayern bis Schleswig-Holstein entlang der Straßen auf dem Land anzutreffen.










